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Weihnachten unter besonderen Bedingungen

Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsmusik und selbstgemachte Kekse

Für manche ist das Weihnachten in einer Einrichtung der erste Heilige Abend ohne Stress, Streit, Gewalt und Suchtmittelkonsum, sagt die Leiterin von Lukasfeld in Meiningen. In der Suchteinrichtung bereiten sich die Patienten in der Adventszeit auf den Weihnachtsabend vor.

Aufgrund von Corona dürfen die Patienten heuer keine Außenkontakte pflegen. Für viele eine besondere Herausforderung, sagt die Leiterin der Kurzzeit-Therapie-Einrichtung Lukasfeld in Meiningen, Kirsten Habedank. Ein Patient hat die Therapie deshalb abgebrochen. Für die anderen berge es aber auch die Chance, sich ganz auf die Gruppe und den Heilungsprozess einzulassen.

„In der Vorweihnachtszeit unternehmen wir Spaziergänge oder kleine Ausflüge und sammeln Dinge, mit denen wir das Haus dekorieren können“, sagt Pflegefachkraft Sandra Simoes. Es werden Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsmusik gehört und Kekse gebacken - wie in den meisten Vorarlberger Familien.

Kerzen und kleine Geschenke
Am Heiligen Abend gibt es freilich auch einen Weihnachtsbaum, der am Vormittag gemeinsam geschmückt wird. Nach den Vorbereitungen für den Abend sitzen die Betreuer mit den Patienten am Nachmittag gemütlich bei Früchtepunsch und Keksen zusammen. Am Abend gibt es jedes Jahr ein besonderes Festmahl, z.B. eine Weihnachtsgans oder einen Weihnachtsbraten mit leckeren Beilagen – was es dieses Jahr geben wird, wird nicht verraten.

Nach dem gemeinsamen Essen gibt es die Bescherung. „Wir sitzen im Kreis, zünden Kerzen an, lesen die Weihnachtsgeschichte vor oder andere besinnlich stimmende Texte und überreichen uns kleine persönliche Geschenke, wie beispielsweise einen Stein
mit einer besonderen Bedeutung“, so Simoes. „Für die gesamte Patientengemeinschaft gibt es dann meist auch ein etwas größeres Geschenk wie ein Spiel oder Bücher für die Patientenbibliothek“, ergänzt Habedank.

Weihnachtslieder werden gesungen oder es werden gemeinsam Spiele gespielt, manchmal wird auch ein Weihnachtsfilm angesehen. Nicht für jeden Patienten hat Weihnachten eine besondere Bedeutung, einzelne ziehen sich auch in ihr Zimmer zurück und sind für sich.
„Für viele Patientinnen und Patienten ist Weihnachten bei uns das erste Weihnachten, an dem sie und ihre Umgebung nüchtern sind, nicht gestritten wird und keine Eskalationen stattfinden“, sagt Habedank.

Deshalb ist bei manchen auch eine Trauer zu spüren - darüber, über kein gesundes soziales Netz zu verfügen und Weihnachten heuer eben nicht daheim verbringen zu können.

Text: Birgit Hackspiel